Jun.-Prof. Dr. Thomas Pearce und Mira Müller

Thomas Pearce ist Juniorprofessor für Emerging Technologies and Design.

Welchen Beruf haben Sie?
Ich bin Juniorprofessor für »Emerging Technologies and Design« an der Bauhaus-Universität Weimar. Übersetzt heißt das: Ich erforsche mit meinen Mitarbeitenden, Kolleg*innen und Studierenden die neuen Möglichkeitsräume, die sich durch neue Technologien – ob 3D-Druck, robotische Herstellung, 3D-Scanning oder Augmented Reality – für die Gestaltung öffnen.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?
Dass ich täglich mit jungen, sehr talentierten und interessierten Studierenden arbeiten darf. Und dass ich selbst immer weiterlerne und Neues ausprobieren darf. Ich darf und soll mir ja immer wieder neue Themen zum Erforschen und Unterrichten ausdenken – und das hält mich auf jeden Fall auf Trab.

Was hat Sie als Kind besonders interessiert zu entdecken oder zu erforschen?
Strömungsdynamik und Auftrieb, Ballistik und Bewegungskoordination, sequenzielle Bildnarrative und Bodenmechanik. Oder anders gesagt: Schwimmen, Handball, Comics und Buddeln.
Im Ernst: Ich war als Kind sehr neugierig und habe mich immer wieder auf neue Sachen und Themen gestürzt. Und eigentlich ist Spielen ja auch eine Form des Forschens: Man probiert etwas aus, schaut, was passiert, verändert etwas und probiert es nochmal. Vielleicht ist deshalb für mich heute auch Forschen immer noch ein bisschen Spielen.

Welchen bekannten (vielleicht auch schon verstorbenen) Menschen würden Sie unbedingt persönlich kennenlernen wollen und warum?
Alvar und Aino Aalto, das finnische Designer- und Architektenpaar. Wenn sie etwas entworfen haben (von einer Vase oder Türklinke über einen Stuhl bis hin zu einem ganzen Gebäude), haben sie wild und leidenschaftlich mit Material und Form experimentiert. Sie waren ergebnisoffen und sprudelten vor kreativer Energie. Gleichzeitig haben sie felsenfest an die soziale Wirkung von Design und an ihre gesellschaftliche Aufgabe als Gestalter*innen geglaubt. Ich glaube, wir haben diesen Auftrag nach wie vor: die Probleme unserer Zeit mit Vorstellungskraft und ästhetischem Feingefühl anzugehen – und Menschen mit guten Ideen zu verführen. 

Ich würde die beiden gerne mal einen Tag lang beobachten: einfach unauffällig in einer Ecke ihres Studios sitzen, Kaffee trinken und zuschauen. Und ihnen dann am Abend sehr viele Fragen stellen. Unter anderem auch nach der Rolle von Aino. Die beiden haben schließlich immer zusammengearbeitet, aber irgendwie reden die Bücher bis heute vor allem über Alvar, den Mann. Wir haben übrigens unsere Tochter nach Aino benannt.

Haben Sie selbst wissbegierige Kinder?
Ja, zwei. Der Große ist fünf und die Kleine zwei Jahre alt. Die ständige Entdeckungsreise endet also nicht mit Feierabend.

Warum halten Sie eine Vorlesung an der Kinderuni?
Ich möchte Kinder früh für Gestaltung und den kreativen Umgang mit neuen Technologien begeistern. Ich möchte ihnen zeigen, dass diese Technologien greifbar und intuitiv sein können – und dass sie ganz neue, spielerische Zugänge zu Materialien und zum Gestalten eröffnen. Und ich möchte dazu beitragen, dass sich in Zukunft noch mehr Mädchen und Frauen für die technologische Seite von Gestaltung begeistern. Bei der Kinderuni kann ich damit viel früher ansetzen als sonst: Meine Studierenden sind meist schon in ihren Zwanzigern und haben oft längst ein bestimmtes Selbstverständnis darüber entwickelt, was Technik ist, ob sie ihnen liegt und ob sie etwas für sie ist. Bei Kindern ist das alles noch viel offener. Genau das finde ich spannend.

Mira Müller ist Tischlerin, Designerin und Forscherin an der Bauhaus-Universität Weimar.

Welchen Beruf haben Sie?
Tischlerin, Designerin, Forscherin/Wissenschaftlerin 

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?
Dass ich neugierig sein darf und Menschen Fähigkeiten und Werte beibringe. 

Was hat Sie als Kind besonders interessiert zu entdecken oder zu erforschen?
Kreativität. Malen, basteln, etwas mit den Händen und den eigenen Gedanken kreieren. 

Welchen bekannten (vielleicht auch schon verstorbenen) Menschen würden Sie unbedingt persönlich kennenlernen wollen und warum?
Virginia Woolf und Eileen Grey. Ich würde von den beiden Frauen gerne wissen, wie es für sie war, Kreativität auszuleben.

Haben Sie selbst wissbegierige Kinder?
Nein. 

Warum halten Sie eine Vorlesung an der Kinderuni?
Es ist eine schöne Gelegenheit, Kindern einen Einblick in unseren Beruf zu geben, zu dem es sonst wenig Zugang gibt.