Dr.-Ing. René Tatarin
Dr.-Ing. René Tatarin forscht am Institut für Angewandte Bauforschung Weimar (IAB).

Welchen Beruf haben Sie?
Ich habe Bauingenieurwesen an der Bauhaus-Universität Weimar studiert und mich für »Baustoffe und Sanierung« interessiert. In diesem Studiengang wurden mir wesentliche ingenieurtechnische Grundlagen und umfassende werkstoffliche Kenntnisse vermittelt. Während meiner Promotionszeit habe ich meine noch aus der Schulzeit stammende Liebe zur Physik wiederentdeckt und mich mit Ultraschallwellen und Lasern zur zerstörungsfreien Prüfung von Beton beschäftigt.
Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?
Heute bin ich am Institut für Angewandte Bauforschung Weimar (IAB) in der praxisnahen Forschung tätig. Im Team entwickeln wir neue Geräte, Verfahren und Materialien für das Bauwesen. Es macht mir große Freude, unsere Projektpartner mit unserem baustofflichen Know-how und wissenschaftlich fundierten Methoden zu unterstützen. Wir tragen dazu bei, dass ganz konkrete Fragestellungen aus der Praxis gelöst werden können.
Was hat Sie als Kind besonders interessiert zu entdecken oder zu erforschen?
Schon als Kind habe ich mich gern mit einheimischen und exotischen Pflanzen beschäftigt, die ich ausgesät oder mir aufwendig besorgt und dann gepflegt habe. Ich fand es sehr faszinierend, dass all die Informationen, die zur vollständigen Entwicklung einer Pflanze notwendig sind, in einem unscheinbaren Samenkorn oder kleinen Steckling verborgen sind. Damit war immer auch eine innere Beziehung zu fernen Ländern und Naturräumen verbunden. Die Pflanzen habe ich als deren Botschafter betrachtet.
Welchen bekannten (vielleicht auch schon verstorbenen) Menschen würden Sie unbedingt persönlich kennenlernen wollen und warum?
Es gibt eine Reihe von Persönlichkeiten, die Bemerkenswertes geleistet und die Grenzen unseres Wissens wesentlich erweitert haben. Heutige Wissenschaftler dürfen sich demütig als »Zwerge auf den Schultern von Riesen« verstehen. Besonders beeindruckt haben mich Albert Einstein für seine ausgeprägte Fähigkeit zu Gedankenexperimenten oder Lee Perry für sein bahnbrechendes musikalisches Wirken. Trotzdem hätte ich sie nicht unbedingt persönlich kennenlernen wollen. Nicht umsonst heißt es »Man soll seine Idole nicht treffen – sie könnten enttäuschen.«
Haben Sie selbst wissbegierige Kinder?
Ja, ich habe drei Kinder im Alter von aktuell neunzehn, fünfzehn und sieben Jahren. Es hat mir schon immer große Freude bereitet, ihre Fragen zu beantworten und komplexe Zusammenhänge auf das Wesentliche zu reduzieren und mit einfachen Worten zu erklären, ohne dabei wesentliche Details zu verlieren. Oft hilft mir das sogar selbst ein Thema besser zu verstehen. Meine Kinder kennen den Auftritt des Wissenschaftlers schon: Sobald ich mit einem bedeutungsvollen »Also, …« beginne und gedanklich zu weit aushole, rollen sie mit den Augen. Was ich immer mit einem Schmunzeln quittiere und als klares Zeichen dafür sehe, mich kürzer zu fassen.
Warum halten Sie eine Vorlesung an der Kinderuni?
Beton ist in der Öffentlichkeit oft negativ assoziiert und gilt als klimaschädlich, grau oder hässlich. Dabei ist Beton ein unverzichtbarer Massenbaustoff, der die Grundlage unserer gebauten Umwelt darstellt und über eine lange Geschichte verfügt. Trotz der großen betontechnologischen Fortschritte seit der neuzeitlichen Wiederentdeckung vor fast 200 Jahren, besteht ein erheblicher Forschungsbedarf, die Eigenschaften heutiger Betone zu verbessern oder sie umweltfreundlicher und ressourcenschonender zu gestalten. Ich möchte das Interesse der Kinder für den Baustoff wecken und grundlegende Kenntnisse darüber vermitteln, was Beton ist, warum er fest wird, was Beton schädigt und wie wir ihn noch besser machen können. Wer früh versteht, wie unsere Welt gebaut ist, kann sie später aktiv gestalten.